Eigentlich bin ich selbst ja kein großer Fan von Motto-Hochzeiten, geschweige denn kräftigen Farben. Mein Bildstil ist eher geprägt von einer natürlichen Farbpalette und dezenteren Elementen. Im Juli letzten Jahres durfte ich jedoch die Hochzeit von Sven & Alex begleiten, das war nicht nur wegen des Rockabilly Mottos etwas ganz besonderes, sondern auch, weil die beiden Freunde von meinem Sven sind und er somit auch mit vor Ort war. Daran könnte ich mich fast gewöhnen, meinen persönlichen Assistenten einfach immer mitzunehmen!

Los ging es schon recht früh am Morgen mit dem Getting Ready der Braut, passend zum Motto war hier die Hölle los, Trauzeugen, Freundinnen, Mama, Schwiegermama, Sohn und zwei Hair- und Make Up-Artists waren am Werk und es gab Einiges zu tun für mich. Am Ende sind die Damen tatsächlich in Zeitnot geraten und wir haben den armen Bräutigam noch warten lassen beim Standesamt.

Das Brautpaar hatte sich für den Tag auch einen richtig tollen, alten "Ami-Schlitten" inkl. Fahrer gemietet, leider wurde uns dann bei der Einfahrt zum Standesamt aber ein Strich durch die Rechnung gemacht. Die Zufahrt war wegen der Kirchweih gesperrt und es standen überall wirklich unschöne Buden und viele Kabel etc.

Tipp: Wenn ihr so etwas besonderes plant, dann erkundigt euch unbedingt bei der Stadt oder Location vorab, ob es an dem Tag irgendwelche Besonderheiten zu beachten gibt, oder ob andere Feste geplant sind.

Es war ein extrem heißer Juli-Tag, trotzdem hat die Hochzeitsgesellschaft schon beim Standesamt in Schwabach richtig aufgedreht. Wir haben die Rückseite des Rathauses mit der schönen Terrasse gleich für die ersten Gruppenfotos genutzt und hatten viel Spaß.

Die Location für die kirchliche Trauung und die Feierlichkeiten war einige Minuten Fahrtzeit entfernt. Während die Gäste vor dem Standesamt noch geplauscht haben, haben (mein) Sven und ich uns schon auf den Weg gemacht und ich habe im Kloster Seligenporten schon mal die Dekorationen und Details fotografiert, bevor die Kolonne ankam.

Nach dem Sektempfang waren wir dann schon wieder unter Zeitdruck, denn es sollte ja noch eine kirchliche Trauung in der Klosterkirche stattfinden und dafür hatte die Braut ein anderes, langes Kleid vorgesehen. Man muss dazu sagen, die Farbgebung in der Location hat einfach perfekt zu dem roten Rockabilly-Motto gepasst. Bedenkt das aber in jedem Fall bei eurer Location-Wahl, wären eure Farben hier blau oder violett gewesen, dann hätten obige Fotos mit dem roten Teppich einfach nicht die gleiche Wirkung und würden eher unpassend erscheinen.

Die Klosterkirche ist einfach wunderschön und erneut war die Farbgebung einfach so perfekt und harmonisch, ich konnte gar nicht genügend Bilder machen. Allerdings gab es hier einen großen Fauxpas - der Geistliche hat nicht explizit erwähnt, wann und ob die beiden sich küssen dürfen. Und sie haben sich nicht getraut! Der tolle Moment, auf den alle warten, hat nicht stattgefunden! Die beiden Kussbilder, die ihr hier seht sind nur entstanden, weil ich explizit gesagt habe "Los, jetzt küsst euch doch mal".

“Es ist eure Hochzeit, ihr dürft euch jederzeit und immer küssen, auch in der Kirche - ihr müsst nicht auf das Go des Geistlichen warten!”


Das Paarshooting war tatsächlich das Kürzeste in meiner Karriere als Hochzeitsfotografin. Die Temperaturen waren unglaublich hoch und wir wollten die Aufnahmen gerne in der Reithalle machen, um ungestört zu sein und den schönen Hintergrund der Strohballen zu nutzen. In der Reithalle stand die Luft jedoch und wir hatten gerade einmal zehn Minuten, bevor wir alle fix und fertig waren und nur noch raus wollten. Draußen haben wir dann noch ein paar schöne Aufnahmen der kleinen Familie gemacht.

Nach der ersten Stärkung mit Kaffe & Kuchen und dem Anschnitt der Hochzeitstorte - die die Braut übrigens selbst gebacken hat - waren die Gäste richtig in Stimmung und wir haben pünktlich vor Einsetzen des Gewitters noch über eine Stunde lang Gruppenfotos und Gästefotos in allen Kombinationen und Varianten gemacht. Die Stimmung war bei dieser Hochzeitsgesellschaft zu jeder Zeit auf dem Höhepunkt!

Mein persönliches Fazit ist, dass man manchmal auch einfach mal über den Tellerrand hinaus schauen sollte. Wäre Sven nicht mit den beiden befreundet, hätte ich wahrscheinlich nie einen solchen Auftrag angenommen - dann hätte ich eine Menge Spaß und viele tolle Momente und Aufnahmen verpasst. Zwar liegen mir dezentere Farbpaletten weiterhin besser, doch werde ich versuchen zukünftig zumindest einmal pro Jahr eine solche besondere Hochzeit abzulichten - also, wenn ihr etwas in die Richtung plant, dann meldet euch!