Ein eigenes Business in einer kreativen Branche wie der Fotografie zu haben, bedeutet auch, sich stets weiter zu entwickeln, seine Kunst zu verfeinern, seine Fähigkeiten zu verbessern und offen für Neues zu sein. Das Thema Blitzen ist für uns Fotografen ganz, ganz, ganz sensibel. Warum? Weil es wirklich eine Kunst ist! Jeder kennt die oft unschönen Effekte, die falsches oder falsch eingesetztes Blitzlicht haben kann, auch aus dem privaten Bereich: rote Augen, unscharfe Bilder, überbelichtete Bilder, besonders helle Stellen, zu dunkle Stellen etc.

Als Hochzeitsfotograf muss ich in jeder Situation und mit den mir in diesem Moment zur Verfügung stehenden Mitteln, das bestmögliche Ergebnis herausholen und zwar ohne dass mein Paar merkt, wie schwierig es vielleicht gerade ist.

Ich war als Fotografin immer sehr stolz darauf, dass ich meine Kamera und die Parameter in- und auswendig kenne und mich jeder Situation anpassen kann, mit dem sogenannten "Available Light", also dem natürlich vorhandenen Licht, zurecht komme, es lesen kann und so unabhängig von den Bedingungen bin.

Es gibt aber (gerade bei Hochzeiten) einfach oft Situationen, in denen das vorhandene Licht einfach nicht ausreicht oder falsch platziert / gefärbt ist, um die besten Ergebnisse zu erhalten. Beste Beispiele sind da die Situationen beim ersten Tanz, bei Feuerwerk in der Nacht, oder auch sehr häufig bereits beim Getting Ready.

Natürlich freue ich mich wahnsinnig, wenn ihr meine Tipps für eine "Fotografenfreundliche Tagesgestaltung" mit aufnehmt, ich sehe es aber als meine Aufgabe an, aus jeder Situation das Beste rauszuholen. Daher habe ich mich dafür entschieden, mich im Bereich Entfesseltes Blitzen weiter zu bilden. Ihr fragt euch jetzt sicher, wovon zur Hölle ich rede, lasst es mich kurz machen:

“Entfesselt Blitzen heißt nichts anderes, als einen oder mehrere Blitze beim Fotografieren einzusetzen, die örtlich getrennt von der Kamera aufgebaut sind.”


Im deutschsprachigen Raum gibt es eine Koryphäe auf diesem Gebiet - Hannah L. und fast alle Hochzeitsfotografen, die ich kenne, haben schon einen ihrer nicht ganz billigen Workshops besucht. Auch ich habe mich entschieden, sowohl in neues Equipment, als auch in meine Fähigkeiten zu investieren und durfte im Februar dann endlich einen ihrer Workshops in Dresden besuchen.

Ein lehrreicher Tag mit Wow-Effekt

Was soll ich sagen, die Ergebnisse sprechen einfach für sich! Ich habe vorab schon öfter und vor allem bei Reportagen "On-Camera" geblitzt, aber an die entfesselte Variante habe ich mich einfach nicht ran getraut. Innerhalb eines Tages habe ich die Basics gelernt und wir Teilnehmer duften mit einem ganz lieben, echten Brautpaar schon zwei kurze Shootings durchführen.

Wir haben hier am helllichten Tage ein Shooting im Sonnenuntergang nachgestellt, ein sog. Fake Sunset Setup. Warum ich euch das alles erzähle und zeige? Ganz einfach, weil fast jedes meiner Brautpaar als Lieblingsbilder aus meinem Portfolio ganz unabsichtlich Bilder wählt, die in der goldenen Stunde (also vor / während des Sonnenuntergangs) entstanden sind. Die Lichtstimmung ist hier einfach ganz besonders magisch und weich, was unser Auge anzieht.

Das Problem ist nur, wenn ihr euer Paarshooting um 11 Uhr plant, dann haben wir da relativ selten (bis nie, haha) einen echten Sonnenuntergang und solche Bilder sind nicht umsetzbar - bis jetzt! Seht selbst, was ich gelernt habe und wie ich von nun an noch schönere Fotos für euch zaubern kann:

So war die eigentliche Lichtsituation, wunderschön, aber eben Vormittags mit sehr steilem Lichtwinkel.

Das Ergebnis mit einer Kombination aus natürlichem und geblitztem Licht. Schon sieht es eher nach 17 Uhr Nachmittags aus und sanften Sonnenstrahlen mit flachem Einfallswinkel.

Available Light Shot

Mit entfesselten Blitzlichtern und Effekt-Reflektionen

Ich persönlich finde beide Varianten sehr schön, ich mag sowohl den etwas härteren Look mit deutlichen Farben und trotzdem weichem Look, als auch die künstlerischen, weichen Bilder, in denen ich mit dem Licht mehr spielen kann. Der Punkt ist aber, wir müssen euer Paarshooting jetzt nicht mehr zum perfekten Tageszeitpunkt im Sonnenuntergang einplanen, sondern sind unabhängig! Wir können diese Bilder entstehen lassen wann und wo wir wollen.

Zum Beispiel auch beim Getting Ready kann ich euch nun vor weich einfallendem Fensterlicht in Szene setzen, auch wenn wir uns blöderweise vielleicht in einem nach Norden ausgerichteten Zimmer befinden:

Lob an das Workshop-Team

Hannah und ihre Assistentin Nicole haben den Workshop zu zweit für eine doch große Runde an Teilnehmern abgehalten und könnten es nicht besser machen! Wir haben alle die Möglichkeit bekommen Fragen zu stellen, eigene Aufnahmen anzufertigen und unserer Kreativität freien Lauf zu lassen, es hat Spaß gemacht und ich habe versucht jedes Körnchen Wissen aufzusaugen.

Nur einen klitzekleinen Punkt fand ich ein wenig störend: Ich erzähle meinen Brautpaaren immer davon, dass "Unplugged Weddings", also Hochzeiten ohne dauernde Handys vorm Gesicht sowohl für das Paar, als auch für die Gäste viel schöner sind. Die Gäste können die Momente dann nämlich in echt und mit ihren eigenen Augen erleben, anstatt durch einen Bildschirm (das ist mein Job). Nun sitzen da gut zehn Fotografinnen und Fotografen, die das alle kennen und fast alle von Ihnen haben 80% des Workshops mit ihrem Handy mit gefilmt und jeden Satz aufgenommen. Puh, vielleicht bin ich da einfach altmodisch, denn ich habe eben ganz viel mit geschrieben in meinem schlauen Büchlein, aber das fand ich dann doch irgendwie ein wenig erschreckend und da das hier mein Blog ist, kann ich das ja auch so offen sagen!

Keine Kritik an den Kollegen, jeder hat seine eigene Methode, um Dinge zu lernen und sicherlich ist es toll, im Nachhinein nochmal genau Nachhören zu können, wie die Einstellungen nun richtig waren. Trotzdem, ich fand es etwas schade und habe mich dadurch ganz ehrlich gesagt auch unwohl gefühlt, denn natürlich hat es mich verunsichert, dass ich als eine der Einzigen nicht alles mit filme.

Nun ja, zum Abschluss und als besonderes i-Tüpfelchen haben Hannah und Nicole dann auch noch ein Fake-Regenshooting im Dunkeln organisiert - ich weiß zwar noch nicht, ob ich das auch meinen Paaren anbieten möchte (ja, wir werden nämlich beide dabei auch nass), aber Spaß gemacht hat es in jedem Fall und ich finde die Ergebnisse wirklich schön.

Fazit

Es war eine extrem sinnvolle Investition und ich freue mich wahnsinnig darauf, die neu erlernten Techniken dann auch endlich in der Praxis einzusetzen. Mein neues Equipment ist einsatzbereit und ich werde es dieses Jahr bei jeder Reportage dabei haben und versuchen einzusetzen, damit ich euch noch schönere und qualitativ hochwertige Bilder präsentieren kann.

Die Ergebnisse können sich sehen lassen und ich bin sehr gespannt, wie ihr die Effekte findet - lasst es uns doch einmal zusammen ausprobieren und bei eurer Hochzeit umsetzen, ich kann es kaum erwarten!

PS: Für die Technik-Interessierten mein neues Equipment

  • Blitz: Profoto A1
  • Remote: Profoto AirTTL-N
  • Lichtformer: Clic Gels (CTO & CTB), Wide Lens, Soft Bounce, Diffusor
  • Filter: Gobe Variable ND Filter