Bevor es los ging mit dem Thema Corona, durfte ich schon im Februar in meine Saison 2020 starten und ein ganz, ganz liebes Paar an ihrem großen Tag begleiten. Es war eine Hochzeit, die mir noch lange in Erinnerung bleiben wird, denn ich habe mich dort weniger wie eine Fotografin, als wie eine Teil der Gesellschaft gefühlt und hatte unheimlich viel Freude bei der Arbeit. Warum genau erfahrt ihr in diesem Post.

Die beiden sind aus der Nähe von Sulzbach-Rosenberg und wollten gerne mit einem First Look Shooting in den Tag starten. Über das Internet und ein paar befreundete Fotografen habe ich mich vorab über eine passende Location informiert und bin mit dieser kleinen Kapelle schnell fündig geworden. Trauzeuge und Bräutigam kamen also an und gemeinsame warteten wir auf die Braut. Es war ja noch Februar, also auch entsprechend kalt, während des Shootings kam dann die Sonne noch ein wenig raus und hat sich mit uns über diesen wunderbaren Moment gefreut. Die beiden waren ganz schön aufgeregt, ich finde das Ergebnis aber wunderschön und vor allem das schwarz-weiß Portrait zeigt einfach pure Lebensfreude und Emotionen. Anschließend haben wir noch ein kurzes Paarshooting gemacht und auch gleich noch Bilder mit den Trauzeugen eingefangen.

Danach ging es für mich schon zur Location der Feier, um hier schon einmal ein paar Eindrücke für die beiden einzusammeln, bevor auch ich mich dann auf den Weg nach Sulzbach-Rosenberg direkt gemacht habe. Die Trauung fand im Capitol statt, eigentlich ein Kino / Theater mit Bühne und dementsprechend dunkel von innen. Es war alles wunderschön dekoriert, trotzdem war es vom Licht her zum fotografieren herausfordernd. Mir blieb nichts anderes übrig, als die gesamte Trauung mit Blitz zu fotografieren. Normalerweise versuche ich das zu vermeiden, da ich dadurch einfach keine Chance habe unauffällig zu bleiben, hier ging es aber nicht anders. Im Nachhinein finde ich die Stimmung der Bilder wahnsinnig schön und sie bestechen für mich vor allem dadurch, dass sie anders sind als die klassische, meist sehr hell und neutral gehaltene Stimmung während der Trauung.

“Die untypisch dunklen Farben und Eindrücke der Trauung geben die ganz besondere Stimmung vor Ort wider.”


Es war eine Trauung ganz im Zeichen Gottes und das Paar wurde von einem befreundeten Pfarrer getraut, der eine weitere Anreise hinter sich hatte. Den Segen erhielt das Brautpaar am Ende dreimal, denn auch die ortsansässigen Geistlichen wurden dazu gebeten und hielten sich gegenseitig das Mikrofon - ein seltener und besonderer Moment. Die Trauung wurde von einer Band begleitet und es wurden viele, sehr mitreisende Lieder gespielt, das Capitol war bis zur letzten Reihe voll und es wurde aus vollem Herzen mitgesungen. Auch die Inhalte der Trauung waren nicht langweilig, sondern wirklich spannend und schön dargestellt, ich hätte der Predigt noch Stunden lauschen können.

In der Location angekommen galt es für das Brautpaar dann erst einmal den traditionellen Baumstamm durchzusägen. Paar und Gäste hatten dabei viel Spaß und schließlich ging es dann hinein in den Gasthof zum Wulfen, wo die restliche Feier stattfand. Die Schlange an Gratulanten war lang und man konnte die Liebe und die Dankbarkeit in der Luft spüren, es war erneut eine sehr besondere Stimmung. Oft sind die Gratulationen gerade als Fotograf etwas eintönig, man versucht jeden Gast zu fotografieren, aber letztendlich sind es 50-100 Mal die gleichen Bilder. In diesem Fall waren die Gratulationen sehr, sehr persönlich und herzlich, das konnte man bei jeder Umarmung spüren und so hatte auch ich wirklich viel Freude diese Emotionen einzufangen.

Neben der Hochzeitstorte gab es noch zahlreiche selbstgemachte Leckereien, die die Gäste mitgebracht hatten und Kaffee & Kuchen wurden ausgiebig genossen. Ich habe dann noch das schöne, wenn auch kalte Wetter genutzt und mich für Gäste- und Gruppenfotos draußen zur Verfügung gestellt. Dabei sind einige wunderbare Aufnahmen entstanden und jeder Gast, der Lust hatte, konnte ein schönes Foto von sich und seiner Familie machen lassen. Wenn die Zeit es erlaubt, versuche ich immer so etwas einzubauen und mir auch wirklich Zeit für die Gäste zu nehmen. Der Nebeneffekt ist, dass das Brautpaar auch einmal seine Ruhe hat und für mich ist es einfach auch schön, mit allen ins Gespräch zu kommen. Ein besonders schönes Motiv war natürlich die Brautmutter mit ihren drei wunderschönen Töchtern!

Man hat bei dieser Hochzeit gemerkt, wie viel das Brautpaar den Gästen bedeutet und wie sehr sie sich mit den beiden freuen. Es wurden viele kleine Unterhaltungselemente eingebaut, zum Beispiel ein amüsanter Film vom Junggesellenabschied des Bräutigam, eine Geschichte, wie die beiden sich kennen gelernt haben und auch ein Keyboard wurde extra zwischendurch aufgebaut, wo ein wunderbares Stück zum Besten gegeben wurde. Neben diesen Einlagen gab es auch ein Spiel für Brautpaar und Gäste - ich weiß, viele zucken schon wenn sie Hochzeitsspiele hören - hier war aber auch das sehr charmant und nicht zu langatmig gemacht, sodass alle viel Spaß hatten.

Es war einfach ein rundum gelungenes Rahmenprogramm, nicht zu aufdringlich, nicht Schlag auf Schlag, sondern einfach stimmig und jedes Element hat den Tag versüßt.

Ganz zum Schluss, nach dem wunderbaren Buffet und einem Verdauerchen an der Bar stand dann natürlich noch das letzte Highlight des Tages an - der erste Tanz der beiden. Die Buffetfläche wurde kurzerhand zur Tanzfläche umfunktioniert und der DJ durfte seine Musik nun etwas lauter drehen. Die Gäste stellten sich rund herum auf und schon ging es los. Eine kleine Choreographie hatten die beiden vorbereitet und sahen zusammen einfach wunderbar aus. Besonders schön fand ich die Geste des Bräutigams: seine Braut hatte sich wegen der schmerzenden Füße inzwischen ihrer Schuhe entledigt, also zog er kurzerhand auch die Schuhe aus, da er ihr im Zweifel nicht weh tun wollte, sollte er ihr auf den Fuß steigen. Danach ging der erste Tanz dann kurzerhand direkt ins Partygeschehen über und Gäste und Brautpaar feierten ihren großen Tag so richtig!

Warum mir diese Hochzeit in Erinnerung bleibt

Ich habe es oben ja schon mehrfach geschrieben, es war einfach ein rundum gelungener Tag, bei dem eben nicht im Vordergrund stand, das alles perfekt sein muss. Im Vordergrund stand vor allem Gott, seine Liebe und die Liebe des Brautpaares für ihn und sich. Heutzutage ist der Glaube aus der Mode geraten, viele trauen sich nicht, sich offen zu Gott zu bekennen auf die Gefahr hin in einer Schublade zu landen. Ich kann euch versichern, dieses Paar und diese Gäste haben ihren Glauben ehrlich und dennoch unaufdringlich gefeiert, auch mit einer weniger starken Beziehung zu Gott war man willkommen und hat sich einfach wohl und geborgen gefühlt. Wenn die Liebe zu Gott und der Glaube es schafft, eine solche Atmosphäre und so eine authentische Herzlichkeit zu kreieren, dann kann man eigentlich nur hoffen, dass viel mehr Menschen sich in diese Schublade stecken lassen.

Bin ich selbst gläubig? Ein sehr interessantes Thema und ich erzähle euch in einem extra Blogpost bald ein bisschen mehr darüber, denn sicherlich beschäftigt es viele von euch beim Gedanken an die eigene Hochzeit.

Mit diesen wunderbaren Gedanken darf ich euch jetzt in den Tag entlassen und hoffe sehr, dass euch diese Reportage genauso gut gefällt wie mir! Das Paar, die Gäste und die Stimmung dieses Tages werde ich jedenfalls noch sehr lange in meinem Herzen tragen und hoffe und bete, dass ich es irgendwann bei meiner eigenen Hochzeit schaffe, auch so eine schöne Atmosphäre zu kreieren.